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01.02.13

Parallax! Webdesign-Trend 2013

Parallax-Scrolling lautet der neue Trend im Webdesign. Die Technik erzeugt die Illusion von 3D-Effekten und Tiefe, sie ermöglicht Bewegung und Animation, wie sie zuvor nur aus Adobe Flash bekannt waren. Parallax sieht gut aus und hinterlässt einen „Wow”-Eindruck. Allerdings können die Animationen den Nutzer auch vom Inhalt ablenken. Parallax – kommt das in die Tüte? So geht Parallax richtig…

 

PARALLAX – NOCHMAL BITTE!

Und was ist das jetzt genau? Parallax setzt auf Hintergrundelemente auf verschiedenen Ebenen. Diese bewegen sich beim Scrollen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, ein Tiefeneffekt wird erzeugt. Der Nutzer bekommt so das Gefühl, die Perspektive zu wechseln. Parallax leitet sich übrigens vom Griechischen parallagé ab. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Veränderung” oder „Abweichung”. Bei Wikipedia heißt es: “Als Parallaxe bezeichnet man die scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position verschiebt.”

 

WIEDERERKENNUNGSWERT UND STORYTELLING

Viele Seiten mit Parallax gibt es noch nicht, gerade im deutschen Sprachraum. Wer die Technik bereits nutzt, fällt auf und bleibt im Kopf. Das Ganze sieht dabei meist verdammt gut aus. Um ehrlich zu sein: Ich habe gestern den halben Tag staunend vor dem Monitor gesessen und Paradebeispiele recherchiert. Ich muss gestehen, das Potenzial von Parallax ist enorm. Die Scroll-Effekte transportieren Emotionen und Lifestyle effektiver als bisherige Designs. Gerade die Marketingbranche profitiert davon. Eine clevere Umsetzung liefert beispielsweise eine interakative Website zum Film “Life of Pi”. An diesem Beispiel wird ein weiterer Vorteil deutlich: Parallax kann Geschichten erzählen. Nichts macht eine Idee, eine Person oder ein Produkt spannender als ein gutes Story-Telling. Die Webdokumentation der Langstraße in Zürich zeigt eindrucksvoll, wie Lebensgefühl, Emotion und Geschichte eine Website aufwerten können.

 

 

NUTZERFREUNDLICH? MANCHMAL SCHWIERIG.

So schön die Effekte und Animationen auch sein mögen. Manchmal gerät der Inhalt schlicht und einfach in den Hintergrund und erfährt kaum Beachtung. Das mag wohl auch daran liegen, dass die Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Die neuen Möglichkeiten, die sich nun Designer und Web-Entwickler eröffnen, führen häufig dazu, dass sie versuchen, das Maximum aus Parallax herauszuholen. Natürlich wollen sie zeigen, was sie können. Sie verlagern oft die Gewichtung auf kinoreife Animationen – der Content gerät in den Hintergrund. Problematisch ist auch, dass das Bedienungskonzept von Seite zu Seite abweicht. Für Nutzer mit Affinität zur Technik mag es spannend sein, ein wenig zu tüfteln. Ich kann mir aber vorstellen, dass Gelegenheitsnutzer und ältere Menschen häufig irritiert sind. Leider dominieren die genannten Kritikpunkte die Mehrzahl der Parallax-Websites. Nur wenige kombinieren eine gute Gewichtung zwischen Content und Design mit intuitiver Usability. Oft wird auch die Anpassung an mobile Geräte nicht berücksichtigt. Das ist wohl der größte Fehler, den man 2013 noch begehen kann.

 

UND WIE MACHT MAN’S JETZT RICHTIG?

Es ist wie so oft. Das Stichwort lautet Balance. Um das Potenzial von Parallax zu nutzen, bedarf es einer perfekten Abstimmung aus Content, Story, Animation und Usability. Dabei steht der Content bewusst an erster Stelle: Ohne Content, also ohne Botschaft, geht nichts. Und das wird auch so bleiben. Meine Prognose: Parallax wird in Zukunft aus dem Webdesign nicht mehr wegzudenken sein – allerdings nicht in der jetzigen Form. Effekte und Animationen werden dezent eingesetzt, um Akzente zu setzen und um Geschichten zu untermalen. Das Internet ist kein Kino, die Information steht im Vordergrund.