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13.03.17

Zielgruppe: Architekten

Die gesamte Bauindustrie buhlt um die Gunst von Architekten. Jeder Hersteller der Baubranche möchte seine Produkte in den nächsten großen Bauprojekten sehen. Dabei ist es bislang vergleichsweise wenigen Unternehmen gelungen, ihre Kommunikation an die Bedürfnisse und das Informationsverhalten von Architekten anzupassen. Für den Ausbau von Marken und der Reichweite von Produkten reicht es heute nicht mehr aus, sich auf Datenblätter und Flyer mit technischen Spezifikationen zu verlassen. Architekten erwarten mehr.

Selbstverständnis von Architekten

Architekten sind Kreative, Planer, Problemlöser, Möglichmacher, Raumdenker, Querulanten, Rebellen, Innovationsgetriebene und Nachhaltigkeitsliebende. Neben der künstlerischen Gestaltung und strategischer Planung ist auch immer ihr unternehmerisches Geschick gefragt. Viele Architekten sind Generalisten – mit Liebe zum Detail.

Wie sich Architekten selbst einschätzen wollte das Architektur-Magazins BAUMEISTER wissen und hat dazu in einer Gesprächsserie über 30 Büros befragt. Folgende Attribute waren den Befragten besonders wichtig:

  • Leidenschaft
  • Ausdauer, Geduld, psychische Belastbarkeit und starker Wille
  • Selbstinszenierung und Charisma
  • Haltung und Authentizität
  • Neugierde und Offenheit
  • Sensibilität und Einfühlsamkeit

Schnell wird klar: Hier verschwimmen Berufung und Beruf. Zudem steht jedes Bauwerk immer stellvertretend für das Können und die Arbeit des Architekten – jedes abgeschlossene Projekt wird immer zu Referenz und Aushängeschild für den nächsten potentiellen Auftrag. Und um auch im kommenden Projekt das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, benötigt er zu seinem Scharfsinn auch das Futter der Kreativität, nämlich Inspiration und Information.

Planungsprozess im Wandel

An der Schnittstelle zwischen Industrie und Bauherren hat sich die Arbeitsweise der Architekten in den letzten Jahren zusehends verändert: Auch hier macht die Digitalisierung nicht halt – Zeichentische weichen leistungsstarken Rechnern mit CAD- und Planungssoftware und insbesondere große Büros arbeiten vermehrt nach der BIM-Methode. Beim Building Information Modeling werden alle relevanten Gebäudedaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. Bis 2020 soll BIM bei der Planung und Realisierung von infrastrukturellen Großprojekten schrittweise eingeführt werden.

Die Einführung von BIM wirkt sich auch auf die Frage aus, wie Architekten zukünftig ihre Planungsobjekte recherchieren. Plattformen wie bimobject.com bieten bereits heute die Möglichkeit, Objekte mit realen Herstellerinformationen online zu finden, herunterzuladen und im Planungsprozess zu verwenden. Wer als Hersteller von Bau-, Einrichtungs- oder Ausstattungsprodukten hier nicht vertreten ist, verringert seine Chance, im BIM-Planungsablauf berücksichtigt zu werden.

Inspiration und Information

Spannend aufbereitete Informationen zu Produkten, Anwendungsszenarien, Best-Practice-Lösungen und Neuigkeiten der Branche besitzen großen Mehrwert für Architekten. Sie sind zentrale Quelle der Inspiration und unterstützen in der Entscheidungsfindung. Relevante Informationen werden so schnell zum Wettbewerbsvorteil und helfen dem Architekten bei seiner eigenen Positionierung und dem Themen-Setting am Markt – sei es die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks oder dem persönlichen Stil. Doch woher nehmen Architekten Information und Inspiration?

Wie jede andere Berufsgruppe betrachten auch Architekten die Welt durch ihre persönliche Brille – beim Reisen, Spazieren, auf Kulturveranstaltungen und in der Literatur. Eindrücke, Erkenntnisse und Gefühle werden auf Projekte, Ideen und Visionen angewandt und auf Sinnhaftigkeit und Machbarkeit geprüft.

Architekten sind Entdecker mit einer Vorliebe für Ästhetik.

Sie stecken eine unheimliche Energie und Detailverliebtheit in ihre Arbeit und suchen diese Leidenschaft auch in anderen Produkten. Sie möchten unterhalten werden, stöbern und spielerisch Neues entdecken.

Auffällig ist: Architekten schätzen gedruckte Informationen. Fachmagazine und Unternehmenszeitschriften sind beliebte Impuls- oder Ratgeber und sorgen für Momente der Entspannung im Arbeitsalltag. Digitale Medien, allen voran das Internet, dienen als schnelle und aktuellste Informationsquelle. Nicht selten führt die Offline-Lektüre zur anschließenden Online-Recherche.

Das Online-Verhalten der Baubranche

Auch wenn Printmedien bei Architekten nach wie vor einen großen Stellenwert einnehmen, gewinnt die digitale Kommunikation zunehmend an Bedeutung: Architekten informieren sich Online über neue Produkte und Lösungen und lassen sich inspirieren. Suchmaschinen und Websites von Herstellern werden zu akuten Problemlösern, auf Facebook lassen sich beispielsweise Mitarbeiter der Top 100 der renommiertesten Architektur-Büros im Baunetz-Ranking gezielt mit Botschaften ansprechen.

Insgesamt tummeln sich in dem sozialen Netzwerk über 50.000 Architekten, Innenarchitekten und Planer.

Dort kommunizieren Sie mit Familie, Freunden und beruflichen Kontakten. Sie abonnieren Fachzeitschriften, Blogs und Newsfeeds aus dem beruflichen Umfeld und teilen eigene Projekte.

Interessant ist darüber hinaus das unterschiedliche Suchverhalten der Baubranche: Während zwei Drittel der Bauunternehmer in Suchmaschinen lediglich die erste Seite nutzen, sind für mehr als die Hälfte der Architekten auch die Folgeseiten relevant. Zum Vergleich: Im Schnitt liegt die Klickrate für die Top 10 der Suchergebnisse jenseits der 70 Prozent, wobei zwei Drittel aller Klicks auf die ersten fünf Resultate fallen. Auf diese beschränkt sich jedoch nur einer von zehn Architekten. Architekten sind hartnäckig.

Architekten und ihr Gestaltungsanspruch

Architekten kombinieren künstlerische Arbeit mit funktionellen Pragmatismus. Gestaltungsprinzipien und Gestaltungsvorlieben richten sich dabei überwiegend nach ästhetischen, ökonomischen und sozialen Aspekten. Der Dialog zwischen Form und Funktion ist entscheidend. Nicht umsonst gilt „Form follows function“ insbesondere in der Architektur als fundamentaler Leitsatz im Design.

Das Anspruchsdenken von Architekten hinsichtlich des Design analoger und digitaler Medien ist stark ausgeprägt. Ganz gleich ob Logo, Typografie oder Fotografie – ansprechend ist, was ästhetisch und funktionell ist. Doch auch der inhaltliche Tiefe ist gefragt. Architekten wollen nicht nur sehen, sondern auch verstehen.

TL;DR

Architekten sind Gestalter. Wie alle anderen Kreativen leben Sie von Inspiration. Sie identifizieren sich stark mit ihrem Schaffen – der Beruf ist häufig auch Berufung. Die Welt durch die Brille der Baukünstler ist faszinierend. Ein Zitat des italienischen Architekten Renzo Piano lässt das erahnen:

„Der Beruf des Architekten ist eine abenteuerliche Tätigkeit: Ein Grenzberuf in der Schwebe zwischen Kunst und Wissenschaft, auf dem Grat zwischen Erfindung und Gedächtnis, zwischen dem Mut zur Modernität und echter Achtung der Tradition.“

Architekten sind eine überaus interessante, spannende und zugleich interessierte Zielgruppe. Ästhetik und Funktionalität, Substanz und Relevanz sind wichtige Schlüssel für eine erfolgreiche Kommunikation für die Bauindustrie – egal ob im Print oder in der Online-Welt.